Regie: Hans-Peter Wilbert

Dass eine italienische Nona, auch wenn sie und ihre Familie längst als Einwanderer in Argentinien leben, kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt ist, überrascht keinen. Was sie so alles in sich reinschaufelt allerdings schon: Popcorn, Chips, Brot, Essiggurken, Fleisch, Käse.... Oma isst alles und das in rauen Mengen. Egal, wie oft Maria, die Frau ihres Enkels Carmelo, kocht - gleichgültig, wie viel ihr die Enkelin Anyula noch außer der Reihe zusteckt - diese Nona ist einfach nicht satt zu kriegen.

Dabei müht sich die italienische Sippe nach Kräften - schon aus Respekt vor dem Alter. Carmelo rackert sich an seinem Gemüsestand ab, sein Bruder Chicho, ein notorischer Faulpelz und angeblicher Tangokomponist, kommt auf Dauer auch nicht ums Arbeiten herum, und Ur-Enkelin Marta schafft mit dubiosen Tätigkeiten - vornehmlich nachts - ebenfalls Geld ran. Als all das nicht reicht, um die Familie und allen voran Oma zu ernähren, kommt Chicho auf die Idee, Nona mit ihren 100 Jahren noch mal zu verheiraten. An den einige Jahre jüngeren, nicht ganz armen Kioskbesitzer Don Francisco.

Die Heirat findet statt, doch der Plan geht nicht auf. Statt Oma zu versorgen, liegt Don Francisco, nachdem sein Kiosk leer gefressen ist, dem Italo-Clan auch noch auf der Tasche. Betteln, Anschaffen, den Hausstand verkaufen - Carmelo und die Seinen schrecken schließlich vor nichts mehr zurück, nur um Omas Hunger zu stillen. Doch der ist maßlos und treibt die Familie letztlich nicht nur finanziell in den Ruin.

Über den Autor und das Stück:

Der vielfach ausgezeichnete, argentinische Autor, Regisseur und Schauspieler Roberto Mario Cossa hat sein Stück "La Nona - Oma frisst" 1976/77 geschrieben. Dass die Groteske im ersten Jahr der argentinischen Militärdiktatur unter General Videla entstanden ist, scheint kein Zufall zu sein.

Die „alles verschlingende Oma“ in Cossa`s Stück war immer wieder als Symbol für die Junta interpretiert worden. Während ihrer Regierungszeit verschwanden rund 30.000 Menschen spurlos, unzählige wurden Opfer physischer und psychischer Folter. Die damalige Militärdiktatur ist in Argentinien bis heute nicht aufgearbeitet.