ABV-Zimmertheater

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25.03.2021

„Irgendwie sind sie alle schräg.“

Theater in Corona-Zeiten und warum „Herbstzeitlose“ aktueller denn je ist

Zweiter Teil unseres Interviews mit H.P. Wilbert, dem Regisseur von "Herbstzeitlose" und künstlerischem Leiter des ABV-Zimmertheaters. Geführt wurde das Gespräch im Oktober 2020. Noch mitten in den Vorbereitungen zur Premiere. Im März 2021 stand dann fest, "Herbstzeitlose" wird nicht mehr aufgeführt. Wir wollten euch dennoch dieses Gespräch nicht vorenthalten...

ABV: H.P., in "Herbstzeitlose" spielen drei Damen, teils schräge Damen, die Hauptrolle. Ist eine der Charaktere besonders ans Herz gewachsen?
H.P. Wilbert: Eine direkte Lieblingsfigur im Stück „Herbstzeitlose“ habe ich jetzt nicht. Irgendwie sind sie alle schräg. Ich habe sie alle liebgewonnen, möchte ich mal sagen. Jede Figur für sich hat ihre Vor- und ihre Nachteile, wie es einfach auch im realen Leben ist. Menschen haben auch nicht immer nur Vor- oder eben nur Nachteile... Zumindest die meisten. Aber es gibt jetzt keine Lieblingsfigur im Stück für mich.

ABV: Kannst du dich an eine Lieblingsszene erinnern?
H.P. Wilbert: Es gibt viele, viele Lieblingsszenen in diesem Stück. Aber einer meiner Lieblingssätze ist jetzt definitiv schon „Ich brauche einen Innenhof, ich bin asthmatisch“.

ABV: Wenn du deine Perspektive tauschen könntest, mit welcher der handelnden Personen kannst du dich am ehesten identifizieren?
H.P. Wilbert: Das ist eine äußerst schwierige Frage, finde ich. Wenn ich die Perspektive tauschen würde… Ich glaube am ehesten wäre es noch die… ja, ich will jetzt natürlich nicht spoilern, was passiert. Es wäre die dritte Figur. Ich nenn es jetzt mal die dritte Figur. Die Figur, die entführt wird. Bzw., die den Grund für die Entführung bildet. Das wäre, glaube ich, noch die Figur, die am ehesten was mit mir zu tun hat. Als Schauspieler habe ich eine ähnliche Sichtweise auf manche Dinge, die Schauspieler so haben. Da gibt es schon auch Parallelen, die ich natürlich kenne aus meinem Berufsleben. Und deswegen würde ich sagen, das ist die Figur, glaube ich, mit der ich am ehesten eine Sichtweise gemeinsam hätte.

ABV: Aktuell seid ihr im Endspurt der Proben: Was steht noch an? Bzw. seit wann probt ihr schon am Stück? [*Anmerkung der Red.: Das Stück wurde im März 2021 abgesetzt.]
H.P. Wilbert: Geprobt wird jetzt seit… ich bin am Überlegen… ganz konkret seit Juli/August (2020). Das ist eine Zeit, wo du Urlaubszeiten einplanen musst, Hygienekonzepte schreiben musst und für die Proben natürlich auch. Das musste alles erstmal abgeklärt werden. Dann konnte mit den Proben angefangen werden. Jetzt beginnen demnächst die Endproben. Das heißt, es geht jetzt darum, dem ganzen Stück noch den letzten Schliff zu geben. Die Dinge, die man abgesprochen hat, nochmal zu vertiefen. Das Bühnenbild muss noch gebaut werden. Und wer mich kennt, der wird wissen, dass meine Bühnenbilder meistens sehr detailreich sind. Das wird dem Team noch bevorstehen. Und dann natürlich Musik, Licht… das sind alles so Dinge, die am Schluss jetzt noch dazukommen, und die dann auch noch eingebaut werden müssen.
ABV: H.P., wir danken für das Gespräch.

Das Gespräch wurde im Oktober 2020 geführt.



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